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SarahKohlmannFachhochschulreife mit 1,0 - Es ist nie zu spät für alles

Eigentlich sollte Sarah Kohlmanns Schulzeit einen geraden Weg nehmen: Grundschule, Gymnasium, natürlich beendet mit einem ordentlichen Abschluss. Zunächst lief auch alles bestens: die heute 24jährige aus Schwerte besuchte nach der Grundschule ein Privatgymnasium. Allerdings fehlte dort ein Angebot, dass ihre Leidenschaft für Sport und die Schule hätte verbinden können. Daher wechselte Sarah Kohlmann in der 9. Klasse auf ein „normales“ staatliches Gymnasium. „Das war eine riesige Umstellung“, so die 24jährige heute im Rückblick. So gab es zwar die ersehnte Sportklasse, dafür aber auch große Klassen und wenig individuelle Betreuung. „Außerdem hatten wir auch durch den Sport bedingt sehr, sehr lange Unterrichtstage, dazu kamen anschließend noch die Hausaufgaben“, erinnert sich Kohlmann. Sie fühlte sich außerdem sehr auf sich selbst zurückgeworfen, weil einerseits große Selbstdisziplin gefordert wurde, andererseits aber Struktur und Regeln fehlten. „Nach einem Jahr war ich nur noch ernüchtert und frustriert, meine Noten sackten ab“, bilanziert die Schwerterin. Schließlich folgte ein Wechsel auf die Gesamtschule. Hier wurde sie sofort in die Jahrgangsstufe 11 eingestuft, ohne zuvor ihre FOR machen zu können. Als sie dann die 12. Klasse aus privaten Gründen abbrach, hatte sie keinen Abschluss der 10. Klasse. Das war ein Tiefpunkt.
Untätig blieb Sarah Kohlmann dennoch nicht. Nach einem Sozialen Jahr arbeitete sie als Integrationshelferin. Das lag nahe, da sie bereits seit Jahren ihren zu 90 Prozent schwerbehinderten Bruder mit betreute, so war sie sich sicher, gut mit Kindern arbeiten zu können.
Während der Zeit als Integrationshelferin reifte der Gedanke die abgebrochene Schullaufbahn wieder aufzunehmen und den Schulabschluss nachzuholen. Das war ein mühsamer Weg, denn trotz fast zwölf Jahren Schule fehlte ja sogar ein mittlerer Schulabschluss. Zunächst besuchte sie also das 3. und 4. Semester der Abendrealschule und holte die FOR nach.
Einerseits war sie froh über diese Möglichkeit, andererseits empfand sie es zunächst als gewaltigen Schritt zurück wieder in der Mittelstufe einzusteigen.
Der Entschluss nach der FOR anschließend nicht in einen Ausbildungsberuf einzusteigen und das Westfalen-Kolleg Dortmund zu besuchen, um einen höheren Schulabschluss zu erwerben, fiel rasch, denn: „Ich wollte ja weiterkommen.“ Die Beratung der Abendrealschule, den Sprung zu wagen, tat ihr übriges.
Von Anfang an wichtig war es ihr allerdings, Arbeit und Schule miteinander vereinbaren zu können, deshalb meldete sie sich am Westfalen-Kolleg für den Bildungsgang Abendgymnasium an. Beides unter einen Hut zu bringen, stellte zwar eine Herausforderung dar, aber die Motivation war groß: „Ich habe mir jeden Tag gesagt, du willst das, du schaffst das, und du schließt mit guten Noten ab.“

Außerdem fasste sie bereits frühzeitig ein konkretes Ziel für die Zeit danach ins Auge; der Besuch einer Jobmesse gab dazu den entscheidenden Impuls. Ihr Interesse galt zunächst dem Zoll, der Polizei und der Bundeswehr. Besonders angesprochen fühlte sie sich durch die Gebirgsjäger. „Ich liebe die Berge und das Skifahren“, schmunzelt Sarah Kohlmann. Viel wichtiger erschien ihr es aber noch, dass neben einer Ausbildung als Gebirgsjägerin auch ein Studium an der Bundeswehrschule möglich ist, dazu wird allerdings mindestens die Fachhochschulreife benötigt, also lautete das Ziel: FHR.
Trotz des Willens unbedingt einen guten Schulabschluss zu machen, startete Sarah Kohlmann zunächst auch mit Bedenken. „Zu Beginn empfand ich einen großen Druck (erneut) zu versagen, aber das gab sich mit der Zeit, je besser es lief“, beschreibt die 24jährige die anfängliche Situation. „Besonders erstaunt und positiv überrascht hat mich dann aber, dass die Lehrkräfte überhaupt keine Vorurteile Schulabbrechern gegenüber haben.“ Überhaupt stimmte von Anfang an alles, so zum Beispiel die gute Lernatmosphäre im Kurs mit durchweg motivierten und lernbereiten Mitstudierenden. Zu Anfang hatte sie noch Bedenken, wenn Gruppenarbeiten angesagt waren: Was wäre, wenn keiner mitmacht? Aber das Problem stellte sich gar nicht. „Außerdem hatte ich sehr engagierte und super nette Lehrer, die immer ansprechbar waren und die sich verständnisvoll zeigten, was die Vereinbarkeit von Schule und Beruf betraf“, resümiert sie heute. Und wenn man wollte, gab es immer die Möglichkeit etwas zusätzlich zu bearbeiten. So fühlte sie sich mit allem gut versorgt, auch in Zeiten der pandemiebedingten Schulschließung, die eine zusätzliche Herausforderung darstellte.
Nun warten neue Ziele, neue Pläne. Zunächst die Ausbildung als Gebirgsjägerin in Süddeutschland, das bedeutet drei Monate Grundausbildung in Weiden in der Oberpfalz, anschließend folgen neun Monate bei den Gebirgsjägern in Bad Reichenhall. Innerhalb der ersten sechs Monate kann Sarah Kohlmann dabei ihre Entscheidung noch mal revidieren, sich für 13 Jahre zu verpflichten. Nach dem Jahr plant sie die Prüfung für das Studium an der Bundeswehrhochschule abzulegen. Psychologie ist für sie das Studium der Wahl.
„Wichtig war es neben dem fachlichen Interesse an einem Studiengang, etwas zu wählen, das mir auch nach einer Zeit bei der Bundeswehr, also nach den 13 Jahren eine berufliche Perspektive im zivilen Leben eröffnet, falls ich dann nicht mehr bei der Bundeswehr bleiben möchte“, erläutert Kohlmann. So verspricht sie sich vom Studium der Psychologie die Möglichkeit auch in Unternehmen, Behörden oder auch selbständig, z.B. als Kinderpsychologin, arbeiten zu können.

Auch durch ihre Zeit am Westfalen-Kolleg fühlt sie sich gut gewappnet, denn die hat ihr nicht nur einen herausragenden FHR-Abschluss mit 1,0 als Ergebnis gebracht und ihr damit bislang verschlossene Türen zu neuen beruflichen Perspektiven geöffnet. Auch manche Erkenntnis nimmt sie mit: „Besonders das gemeinsame Lernen mit einem 50-jährigen Mitstudierenden hat mir gezeigt: Man muss sich nicht schämen, wenn bisher nicht alles so glatt gegangen ist, man ist nie zu alt etwas zu lernen, es gibt heute so viele Möglichkeiten.“

 

Den Frieden mit Schule gefunden

Zu diesem Schluss kommt Aren Steinmann, als er kürzlich sein Zeugnis der allgemeinen Hochschulreife feierlich am Westfalen-Kolleg überreicht bekam und auf die unterschiedlichsten Schulformen zurückblickte, die er im Laufe seiner Schulkarriere durchlief.

Zunächst besuchte Aren eine Waldorfschule, die ihm grundsätzlich gefiel: Die Lernumgebung war geprägt vom Gemeinschaftsgedanken, Ellbogenmentalität gab es in dieser „heilen Welt“ nicht, so Aren. Auch die unterrichtliche Organisation im Rahmen des Epochenunterrichts entsprach Arens Vorstellung einer guten Schule. Ab der Oberstufe störte ihn jedoch zusehends das Lehrer-Schüler-Verhältnis immer mehr, so dass er nach Klasse 11 diese Schule mit dem Realschulabschluss - aber ohne Qualifikation für die gymnasiale Oberstufe - verließ. „Ihr Sohn werde niemals das Abitur machen können“, waren die Worte, die seine Eltern bei Arens Abmeldung zu hören bekamen.

Mit dem Ziel, die Qualifikation für den Eintritt in die gym. Oberstufe trotzdem nachzuholen, meldete er sich an einem Berufskolleg an. Dies seien doch die Schulen, die damit warben, dachte Aren. Doch ihm blieb dieses Ziel dort verwehrt; die Schule sei hier ganz anders strukturiert, von einer Klassengemeinschaft bzw. einem Gemeinschaftsgefühl könne nicht die Rede sein, so Aren. Insbesondere überforderte ihn die konventionelle Art des Lernens, so dass er zu dem Schluss kam: „Das ist überhaupt nichts fürs mich. Das Thema Schule ist damit durch“, so Aren, als er sich schließlich mit dem Gefühl des Scheiterns vom Berufskolleg abmeldete. Daraufhin fing er eine Ausbildung zum Tischler an. Das „Verwirklichen mit den Händen“ gefiel ihm, es erinnerte ihn an die schönen Jahre in der Waldorfschule. Trotz der Leidenschaft am Werken, die er hier (weiter)entwickelte, gefiel ihm die langfristige Perspektive in diesem Lebensabschnitt nicht. Die harte körperliche Arbeit stehe in keinem Verhältnis zur Bezahlung, wenngleich der Ausbildungsbetrieb sehr gut gewesen sei, berichtet Aren. Auch im Hinblick auf seine eigene Persönlichkeitsentwicklung waren die hier gemachten Erfahrungen sehr wichtig, die Entscheidung für diese Ausbildung sei rückblickend genau die richtige gewesen.

Schon während des letzten Ausbildungsjahres schaute er sich nach Alternativen für die Zeit nach seinem Gesellenbrief um. Eins schien aber klar: Alle Alternativen, die ihm Perspektiven bieten würden, erforderten mindestens das Fachabitur. Aber da war ja die Sache mit der Schule! Seine Gedanken kreisten: „Soll ich mir das wieder antun? Scheitere ich dann nicht ein weiteres Mal? Kann ich überhaupt wieder normaler Schüler sein und dann auch noch an einer staatlichen Schule?“

Seine Mutter sah die Sache etwas entspannter. Aus eigener Erfahrung empfahl sie ihm das Westfalen-Kolleg, an dem sie selbst 1988 das Abitur nachholte. So meldete Aren sich im Januar - noch während seiner Tischler-Ausbildung - dort an. Im Juli gab es den Gesellenbrief, im August startete er dann direkt am Westfalen-Kolleg, ehrlicherweise mit einem sehr mulmigen Gefühl und einer gehörigen Portion Respekt. Er wusste, dass diese Schulzeit wohl die letzte sein werde, egal ob mit oder ohne Erfolg!

Den Erfolg hält er nun, drei Jahre später, in seinen Händen: sein Abiturzeugnis mit einer Durchschnittsnote von 1,7. Rückblickend ist er trotzdem etwas traurig darüber, dass er das Abitur nicht auf dem ersten Bildungsweg geschafft habe. Aber er ist Realist genug, die Gründe hierfür nicht in eigener Unfähigkeit zu sehen. Sein Bildungsweg war eben nun mal genau so: nicht unbedingt gradlinig und manchmal perspektivlos. Vor diesem Hintergrund war es seiner Meinung nach die beste Entscheidung in seinem Leben, zum Westfalen-Kolleg zu gehen und dort sein Abitur nachzuholen. „Ich habe vor allem mir gezeigt, dass ich das Zentralabitur schaffen kann.“ Auch mit der Institution Schule hat er Frieden geschlossen. Das Westfalen-Kolleg zeigte ihm ein ganz anderes Bild von Schule, als er es bisher kannte: „Man ist im Umgang jederzeit auf Augenhöhe mit den Lehrenden. Das war an bisher keiner Schule so, auf die ich gegangen bin.“ Man habe hier zwar auch „Wettkampf“, müsse Leistung zeigen, werde benotet, aber in einer Lernatmosphäre, die von gegenseitigem Respekt und Unterstützung - sowohl von den Lehrenden als auch von den Mitstudierenden - gekennzeichnet sei, so Aren. Auch das Ankommen fiel ihm leichter als gedacht. Viele Mitstudierenden waren in ähnlichen Lebenssituationen, hatten das subjektive Gefühl des Gescheitertseins in sich und wagten nun den Schritt nach mehr. Dieses gemeinsame Ziel verbindet.

Genau dies waren auch die Erfahrungen, die Arens Mutter während ihrer Schulzeit in den 80iger Jahren machte. Zwar ist das Lehrerkollegium (fast) ein gänzlich neues, die grundlegenden Überzeugungen und erwachsenengerechten Konzepte für das Abitur-Nachholen am Westfalen-Kolleg haben diese Zeit aber überdauert. Seine Erfahrungen am Westfalen-Kolleg prägten Aren so sehr, dass er nun selbst den Berufswunsch Pädagoge für sich gefunden hat. Für Aren ist ein Lehramtsstudium nun gesetzt: „Du kannst als Lehrer sehr viel erreichen. Man kann den Lernern etwas fürs Leben mitgeben, sie z.B. politisch bilden und ist damit auch ein Stück für die nächste Generation verantwortlich. Das ist es, worin ich mein Ziel sehe.“         

 

Cum acho et cracho?

Das trifft wohl kaum auf Dana Kemper zu. Sie hat nicht „mit Ach und Krach“ das Abitur am Westfalen-Kolleg nachgeholt; stattdessen wurde sie am Tag der Abiturfeier von der Schulleitung des Westfalen-Kollegs aufgrund ihres 1,0er Abiturs und der Erlangung des Latinums geehrt. Dies hätte sie nicht zu träumen gewagt, als sie sich vor ziemlich genau drei Jahren am Westfalen-Kolleg angemeldet hatte, nachdem der bisherige Lebensweg von Umwegen und Sackgassen geprägt war.  

Nach ihrem Realschulabschluss mit 15 Jahren hatte sie „keinen Bock mehr auf Schule“ und wollte selbstständig werden, insbesondere eigenes Geld verdienen. Nach ihrer Ausbildung zur Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten arbeitete sie noch kurz in diesem Beruf, aber so richtig identifizieren konnte sie sich damit nicht. Auch der Umstieg in den Bereich Verkauf mit anschließender Position als Teamleiterin konnte sie nicht erfüllen. Zu guter Letzt arbeitete sie als Quereinsteigerin in einer Konditorei. Schließlich kam Dana an einen Punkt in ihrem Leben, der aus ihrer Sicht keine wirklichen Perspektiven bot. Eine schwere Depression führte schließlich zur Krankschreibung, dann zu einem Klinikaufenthalt. Alea iacta est (die Würfel sind gefallen), das dachte sich Dana in dieser Zeit; sie wollte nicht mehr...

Ihr Partner unterstützte sie, gab ihr Kraft, diese Episode zu überstehen. Auch der strukturierte Tagesablauf in der Klinik half. Eines Tages wurde ihr bewusst, dass es das noch nicht gewesen sein konnte. Die Würfel sind eben noch nicht gefallen. Doch was tun, wohin gehen? Je weiter sie in sich sah, desto klarer wurde ihre Vorstellung. All die Dinge, die sie gerne mochte, hatten irgendwie etwas mit Latein zu tun: „In ganz vielen Dingen des Alltags - u.a. Musik, die ich höre und Bücher, die ich lese - steckt so viel Latein drin, das faszinierte mich. Diese Sprache möchte ich studieren.“, so Dana. Der vermeintlich nächste Dämpfer ließ nicht lange auf sich warten: „Ein Lateinstudium ist viel zu schwierig, das schaffst du nicht! Du bist doch schon zu alt fürs Studium! Was willst du damit eigentlich anfangen?“ Doch Dana gab diesmal nicht auf: „Das ist meine letzte Chance, die will ich nutzen und deswegen will ich es gut machen, nunc cum maxime (jetzt mehr denn je)“.

Sie entschied sich für das Westfalen-Kolleg in Dortmund, um das benötigte Abitur nachzuholen. Das Fächerangebot bot ihr hier Latein als Unterrichtsfach. Zudem wäre ein reines Abendgymnasium nichts für sie gewesen, so Dana. Schule in Vollzeit, das suchte sie. Letztlich fand sie aber am Westfalen-Kolleg noch vielmehr. Diese Schule für Erwachsene sei anders, berichtet Dana. „Man muss sich zwar auch hier wieder in die Rolle einer Schülerin begeben, aber es ist anders. Die Lehrer verstehen die individuellen Ängste und Nöte, egal ob schulischer Art oder privater Natur. Man wird hier trotz der Größe der Schule individuell angenommen, man muss nur kommunizieren. Selbst die harten Lehrer haben hier einen weichen Kern.“ Auch die ursprünglichen Bedenken hinsichtlich ihres Alters kümmerten sie nicht mehr, als sie erfuhr, dass eine 72-jährige Studierende ihr Abitur am Kolleg nachholen möchte (und vor einem halbem Jahr erfolgreich nachgeholt hat): „Da war ich mit meinen 30 Jahren noch voll im Durchschnitt.“

Durch den Lateinunterricht im ersten Jahr am Westfalen-Kolleg hat sich ihr Interesse an dieser Sprache noch stärker entwickelt; nicht zuletzt durch ihre Lateinlehrerin Frau Wieber, die selbst für ihr Fach brenne, erzählt Dana. So kam es dann, dass sie über den Unterricht hinaus von Latein noch stärker in den Bann gezogen wurde. Sie wurde u.a. aktives Mitglied im VFAU, dem Verein zur Förderung des altsprachlichen Unterrichts, und hat einen lateinischen Grundwortschatzes auf der Online-Lernplattform „Quizlet“ zur Benutzung für künftige Studierende des Westfalen-Kollegs aufgebaut. Das Latein- und Philosophiestudium ist für Dana gesetzt, die Bewerbung um ein Stipendium läuft. Mittlerweile muss sie sich oft von ihren Freunden anhören, ob sie denn mal irgendwann nicht ihren Kopf in die Lateinbücher stecken könne.

Doch sie ist sich auch bewusst, dass die Depression zurückkommen könnte, „permanent 200 % geben zu wollen, das geht nicht, das ist mir durch meine zweite Schulzeit klar geworden. Die drei Jahre am Westfalen-Kolleg haben mir innerliche Festigkeit gegeben. Ich weiß jetzt, was ich leisten kann, wann es drauf ankommt und wann auch mal nur 80 % reichen, oder wann man auch nein sagen muss. Das schützt mich. Dafür danke ich dem Westfalen-Kolleg.“

 

Es ist nie zu spät...

...zum Abitur nachholen

Das dachte sich auch Barbara F. aus Menden, als sie kürzlich am Westfalen-Kolleg das Zeugnis der allgemeinen Hochschulreife im Alter von 72 Jahren feierlich überreicht bekommen hat. Die familiären und beruflichen Umstände in ihrem bewegten Leben haben dazu geführt, dass sie erst jetzt „endlich mal was für sich selbst tun“ konnte, so Barbara.

In ihrer Jugendzeit musste sie bereits frühzeitig Verantwortung übernehmen; der Vater frühzeitig verstorben, die Mutter berufstätig und alleinerziehend mit drei Kindern, so dass Barbara - als älteste der drei Geschwister - einen Großteil der Verantwortung für das Familienleben übernahm. „Man musste Wünsche und Ziele zurückstellen, auch wenn man gerne andere Wege eingeschlagen hätte“,  blickt Barbara auf diese Zeit zurück. So kam es dann, dass sie nach der Volksschule und Handelsschule ihre Lehre zur Industriekauffrau erfolgreich abschloss, um frühzeitig Geld für die Haushaltskasse zu verdienen. Denn „wenn unserer Mutter etwas zustoßen würde, muss für meine kleinen Geschwister gesorgt sein, es ging nicht anders“, so Barbara. Die Jahre vergingen, die Geschwister machten Karriere an der Uni und in der freien Wirtschaft. Barbara ackerte unermüdlich in ihrem Job, als Chefsekretärin, Finanzbuchhalterin und zuletzt - nach erfolgreicher Weiterbildung zur Betriebswirtin - 24 Jahre als Mitglied der Geschäftsleitung eines mittelgroßen Handwerksbetriebes, heiratete zwischendurch und versorgte lange Zeit ihre im Alter erblindete Mutter.

Als sie dann ins Rentenalter eintrat und sich die Arbeit reduzierte, war der Punkt erreicht, etwas für sich selbst zu tun. Nach der langen Zeit, in der sie sich für die Familie und für den Betrieb aufopferte - sozusagen im strengen Korsett lebte - vergaß sie jedoch, was sie denn eigentlich möchte. Etwas, das einem gut tut, das wollte sie. So besann sie sich auf Dinge, für die sie Jahrzehnte nie so richtig Zeit hatte: Literatur, Kunst, Kultur, einfach Muße für allgemeine Bildung. Sie setzte da an, was sie vor über einem halben Jahrhundert gerne angestrebt hätte, nämlich das Abitur. So meldete sie sich zunächst an einem Abendgymnasium in der Nähe ihres Wohnortes an. Aufgrund der am Westfalen-Kolleg angebotenen Fächervielfalt (v.a. Philosophie, Religion und Kunst) wechselte sie jedoch nach kurzer Zeit dorthin. Dafür nahm sie täglich einen weiten Weg auf sich: etwa 1,5 Stunden einfacher Schulweg von Menden bis nach Dortmund zum Westfalen-Kolleg. Nach dem ersten Gespräch mit dem damaligen stellvertretenden Schulleiter wusste sie aber, das ist ihre Schule. „Hier ist man Mensch, egal wie alt man ist, woher man kommt und was man vorher gemacht oder nicht gemacht hat“, berichtete Barbara mit voller Überzeugung. Diese Offenheit hat Barbara von allen Seiten innerhalb der Schule kennengelernt, egal ob von Mitstudierenden, Lehrkräften, SchulsozialarbeiterInnen, Sekretariatsmitarbeitern, Hausmeistern und natürlich auch vom Cafeteria-Betreiber und seinen Mitarbeiterinnen. Keiner belächelte sie aufgrund ihres Alters.

Es gab natürlich auch Hürden, die sie zu überwinden hatte: Die Einarbeitung und Benutzung eines Computeralgebrasystems im Mathematikunterricht zählte zu den schwierigsten. Blickt man allerdings zurück auf das, was Barbara in ihrem Leben alles bisher gemeistert hat, dürfte zum damaligen Zeitpunkt klar gewesen sein, dass sie auch diese Hürden erfolgreich meistern würde. Das tat sie auch. Sie erlangte insgesamt einen Abiturdurchschnitt von 2,5. Das sei ihre persönliche Traumnote, so Barbara.

Mit einem weinenden Auge blickt Barbara auf ihre Schulzeit zurück und zog für sich das Fazit, dass die Zeit am Westfalen-Kolleg für sie die schönste zusammenhängende Zeit in ihrem Leben war. Mit einem lachenden Auge blickt sie aber auch auf die Zukunft: Am liebsten würde sie Philosophie und Deutsch studieren, der Ort ist egal, sie ist flexibel. Sie hofft, dass sie an der Universität genauso gut aufgenommen wird wie am Westfalen-Kolleg und noch ganz viel Zeit hat, sich weiterzubilden.

Jetzt müsse sie aber erst einmal ein bisschen auftanken, eine kurze (!) Verschnaufpause einlegen, und dann geht es weiter...und das gemäß ihrem Lebensmotto : Wenn ich etwas mache, dann mit Liebe; sonst würde ich es nicht tun können.

 

20180123kristinaweberstory"Vom Dienst nach Vorschrift zum Traumberuf"

Als Kristina Weber entgegen ihrer Grundschulempfehlung im ersten Bildungsweg ein Gymnasium besuchte, lief es aus ihrer Sicht „eigentlich ganz gut; außer die Sache mit dem x in Mathe“. Mit ihren Leistungen selbst unzufrieden, schaffte sie noch die 12. Klasse. Aber ihr Gefühl, fehl am Platze zu sein, führte schließlich dazu, dass sie vorzeitig die Schule verließ und eine Ausbildung zur Speditionskauffrau absolvierte. „Die Ausbildung war gut, die Leute nett, aber auch dort gehörte ich nicht hin“, so Kristina. Frühschicht, Spätschicht, hierhin und dorthin fahren, diesen und jenen Papierkram erledigen, Dienst nach Vorschrift leisten, all dies konnte ihrer Meinung nach nicht ihre Arbeit bis zur Rente sein.

Ihr ehrenamtliches Engagement dagegen: Betreuung der Konfirmanden in der Kirchengemeinde, Organisation von Jugendfreizeiten, Mitwirkung bei den BotschafterInnen der Erinnerung des Jugendrings Dortmund, um nur eine kleine Auswahl zu nennen. Durch ihre Interessen war ihr eigentlich klar, dass sie gerne mit Menschen arbeitet. So wuchs allmählich der Wunsch, Lehrerin zu werden. Doch dazu musste das Abitur nachgeholt werden, und dann noch ein komplettes Studium mit anschließendem Referendariat. „Wenn ich mich aber anders entschieden hätte, so wäre ich vermutlich den Rest meines Lebens unglücklich über die nicht genutzte letzte Chance, beruflich weitaus mehr zu erreichen.“

Nicht mehr die, die anders waren!

Nachdem sie ihre Ausbildung im Januar 2016 erfolgreich abgeschlossen und ihren Widerstand im Kopf überwunden hatte, ging es am Westfalen-Kolleg direkt ins dritte Semester, sie hatte schließlich ihre Fachhochschulreife durch Schule und Ausbildung schon erreicht. Gänzlich fasziniert von der gelebten Kultur des gegenseitigen Respekts und des Miteinander-Seins auf Augenhöhe erlebte sie eine völlig andere Schule als das, was Schule bisher für sie bedeutete. „Es gibt insbesondere keine Zickenkriege; dafür aber BaföG“, so Kristina. Das „Fehl-am-Platze-zu-sein“ war weg, die Leidenschaft für das Fach Geschichte da: Nicht nur im Rahmen der Geschichts-AG gehörte Kristina „nicht mehr zu denen, die anders waren. Die gibt es hier nämlich nicht. Jeder ist willkommen.“

Dienst nach Vorschrift ade!

Nach einem Geschichtsreferat, u. A. zu den historischen Wurzeln ihrer eigenen Familie, für das Kristina auch im Bundesarchiv forschte, bekam sie von ihrer Geschichtslehrerin die Rückmeldung: „Sie müssen unbedingt Geschichte studieren...“  Das ist nun ihr Plan; als Zweitfach soll es Englisch sein. Auch hier wurde Kristina durch ihre zweite Schulzeit entscheidend geprägt. Eigentlich wollte sie Deutsch studieren, aber durch ihren Englischunterricht entfachte sich eine zweite Leidenschaft, die sie so vorher nicht kannte. „Ich hatte dadurch so viel Bock auf Englisch“, dass sie schon an der Ruhr-Universität Bochum (RUB) im Rahmen der Schüleruni ein Basismodul in Anglistik belegte und erfolgreich bestanden hatte. Man kann sagen, Kristinas früheres Motto „Dienst nach Vorschrift“ wandelte sich um 180 Grad. Auch das Schüler-Studierendenstipendium, welches sie als Westfalen-Kolleg-Studierende an der RUB gewonnen hatte, sowie ihre aktive Mitarbeit im Schülerbeirat der RUB - einem beratenden Gremium zur Studienorientierung - können wohl als Indizien dafür aufgefasst werden.

Gelernt, sich zusammenzureißen!

Dennoch gibt es weiterhin „Dinge, die man halt notgedrungen machen muss. Das x und ich haben auch einen Neuanfang gewagt und unsere Wege trennen sich nun wieder, diesmal aber mit gutem Ende. Die Fähigkeit, sich auch zusammenzureißen, Dinge einfach mal tun, das habe ich im Laufe der Zeit gelernt. Aber auch meine Ausbildung hat mich wohl rückblickend in dieser Hinsicht vorangebracht bzw. meine Motivation für meine zweite Schulzeit erhöht. Letztendlich glaube ich, dass es bei jedem klappen kann; wird halt nicht bei jedem eine 1; muss aber auch nicht.“

Ihr Abiturzeugnis mit der Traumnote 1,0 konnte Kristina am Tag der offiziellen Abiturfeier nicht persönlich entgegennehmen. Sie saß bereits am anderen Ende der Welt in Australien. Ihre umfangreichen Geschichtsrecherchen deckten Verwandte Down Under auf, die sie vor ihrem Studium für 3 Monate noch besucht. Im Hinblick auf ihre Zeit nach Studium und Referendariat könne sie es sich gut vorstellen, ans Westfalen-Kolleg zurückzukehren und selbst Begleiterin für die zweite Chance erwachsener Lerner zu sein, so Kristina.

 

„Eben noch die Kurve gekriegt und nun auf der Überholspur“

Zwei Klassen wiederholt, dann doch nicht geschafft. Robin Bader erreichte gerade eben so seinen Realschulabschluss und verließ vorzeitig das Gymnasium ... völlig orientierungslos. Den Qualifikationsvermerk nur aufgrund einer nicht gewarnten 5 erhalten. „Gelernt habe ich eigentlich gar nicht; das gab auch alles gar keinen Sinn; in Matheklausuren habe ich lieber Graffitis gezeichnet. Ich wollte später irgendetwas machen, wo ich Auto fahren kann“, so Robin über seine erste Schulzeit. Für eine Ausbildung - egal in welchem Bereich - reichte es nicht. Lediglich Regale auffüllen im Supermarkt bot sich ihm aushilfsweise. Alles schien wie eine Sackgasse.

Sinn in der Sache, die man macht!

Aufgrund der Alternativlosigkeit absolvierte er dann ein Freiwilliges Soziales Jahr. Durch den Einblick in den sozialen bzw. medizinischen Bereich entdeckte er etwas, das er zuvor nicht kannte: „Sinn in der Sache, die man macht.“ Aber nicht nur, dass er Motivation und Spaß an der Arbeit fand, es reichte ihm nicht anderen zuzuarbeiten. „Etwas großes im medizinischen Bereich schaffen, idealerweise als Arzt“, das war nun sein Ziel. Doch wie dorthin kommen, wo langfahren? Die Ausbildung zum Rettungsassistenten schien für ihn ein sinnvoller Anfang zu sein. Leider verfolgten ihn immer noch seine Noten von früher. Kein Arbeitgeber gab ihm eine Chance. Wieder in eine Sackgasse gefahren?  

Keine Zeit verlieren

Nein, er entschloss sich über die holprigen Steine weiterzufahren und finanzierte die Ausbildung zum Rettungsassistenten selbst; ein Jahr Schule, ein Jahr Praktikum. Dieses Ausbildungskonzept kostete Geld, vor allem Energie, aber es sparte ihm ein Jahr gegenüber einer normalen dreijährigen Ausbildung. Auch nach dieser Ausbildung verschenkte er keine Zeit und beschleunigte, denn einen Schlenker musste er schnell noch machen auf der Fahrt zum Medizinstudium: das Abitur. „Ich wollte nicht die Zeit am Westfalen-Kolleg als Selbstfindungsphase nutzen, so wie einige meiner Klassenkameraden; ich wusste was ich will und habe meine zweite Schulzeit nur als Mittel zum Zweck gesehen“, so Robin. Die direkte  Einstufung ins zweite Semester - aufgrund sehr guter Ergebnisse im Einstufungstest - kam gelegen. „Als ich von der Schulleitung die Info der Höherstufung bekam, habe ich auf dem Nachhauseweg geweint (...)  endlich öffneten sich auch mal Türen für mich.“

Türen nun selber öffnen

So kam er direkt auf den Autobahnzubringer, denn es war durch die Höherstufung nur noch ein statt zwei Semester bis zur Qualifikationsphase, wo er dann so richtig Gas geben konnte. Und das tat er dann. Auf dem Weg nahm er über die Studierendenakademie ProMINat ein Forschungspraktikum in Jülich im Bereich der neurowissenschaftlichen bildgebenden Verfahren mit, war Gast-Hörer der Uni-Bochum und lies sich als Erste-Hilfe-Trainer ausbilden, um an den Wochenenden nicht nur als Rettungsassistent sondern auch als Erste-Hilfe-Trainer zu arbeiten. Und ehe er sich versah, stand er nach zweieinhalb Jahren am Tag der Zeugnisvergabe auf der Bühne und wurde mit der Traumnnote 1,1 als Jahrgangsbester geehrt. Robins Aufholjagd war in vollem Gange und man kann sagen, dass er es verstanden hatte, selbst die Türen für seine Zukunft zu öffnen.     

Nun der Blick in den Rückspiegel aus seiner Perspektive: „...Abitur; aus dem Lateinischen übersetzt heißt das davongehen bzw. abgehen werden. Ich gehe zwar, aber eigentlich geht man nie ganz. Die Zeit am Westfalen-Kolleg und die Erlebnisse dort bleiben immer in einem drin; insbesondere die Lehrer, die so anders waren als früher, eher wie Arbeitskollegen, die einem bei einem Projekt helfen, oder als Beifahrer, die einem den Weg zeigen, fahren muss man allerdings selbst...”.

 

„Fällt man hin, muss man wieder aufstehen“ - Zweifacher Deutscher Meister im Bowl-Skateboarden holt Abitur nach

Björn KlotzSo banal das Zitat auch klingen mag, für Björn Klotz erwies es sich im Hinblick auf sein Hobby und seine zweite Schulzeit als erfolgreicher Leitspruch.
Man könnte sagen, dass Björn zunächst sein Hobby zum Beruf gemacht hat: Mit 13 Jahren fing er das Skateboarden an und machte sich schnell einen Namen in der Skatebaord-Community. Über seine Kontakte erhielt er schließlich auch eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann. Sein damaliger Plan für die Zukunft: Hinter der Theke stehen und Skateboards verkaufen; „das ist schon okay“, dachte Björn damals. So arbeitete er insgesamt sechs Jahre in einem angesagten Skateboardladen in Oberhausen. In seiner Freizeit gab es für ihn nur ein Thema: Skateboard fahren und besser werden. Er wurde besser: zweimaliger Deutscher Meister im Bowl-Skateboarden. Er reiste viel, hauptsächlich ins europäische Ausland, um an Turnieren und Events rund um sein Hobby teilzunehmen. Sponsoren wurden auf ihn aufmerksam und haben ihn - bis heute - unter Vertrag genommen.
Doch im Laufe der Zeit kam Björn an einen Punkt, an dem er innehielt: „Stopp. Soll es so für mich tatsächlich weitergehen? Ist es richtig und wichtig, was ich hier tue?“ In Verbindung mit seinem doch eher tristen Arbeitsalltag hinter der Ladentheke entschloss er sich, seine berufliche Zukunft neu zu überdenken. Freunde machten ihn auf den Zweiten Bildungsweg aufmerksam. Das Fachabitur hatte er bereits. So reichte er kurzerhand seine Bewerbung am Westfalen-Kolleg ein, um das Abitur nachzuholen und um damit seine zweite Chance zu nutzen. Ehe er sich versah, drückte er wieder die Schulbank, was zunächst schwer fiel und befremdlich war: „Das Schreiben, aktive Lesen und selbständige Erarbeiten unterschiedlichster Themen war ich nicht mehr gewohnt“, erklärte Björn, der sich jedoch nach diesen Anfangsproblemen im Schulleben und in der Schulgemeinschaft zurechtfand. In seinem neuen Umfeld entdeckte er ziemlich schnell einige Parallelen zum Skateboarden. Man kann auch hier stürzen. Ein „Sturz“ in Form einer schlechten Klausur war für Björn aber kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken oder gar aufzuhören. Man müsse nur wieder aufstehen und alles tun, um weiterzukommen, so Björn. Dies tat er. So wie er früher einen schwierigen Trick nach langem Training meistern konnte, so überwand Björn auch für ihn scheinbar unüberwindbare Hürden im schulischen Kontext (z. B. im Fach Mathematik). Seine Fähigkeiten, die eigenen Stärken und Schwächen realistisch einschätzen zu können, daran zu arbeiten, um auch Erfolge bei den nächsten, schwierigeren „Tricks“ zu erzielen, halfen Björn in seiner zweiten Schulzeit ungemein.
Rückblickend betrachtet habe die zweite Schulzeit allerdings keine neuen Interessen oder eine grundlegend neue Leidenschaft geweckt, so Björn. Das Westfalen-Kolleg half ihm aber, schon vorhandene, sozusagen „alte“ Interessen von einer anderen Perspektive aus wiederzuentdecken und zu schärfen.
Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Familien oder auch Familien mit behinderten Kindern zu begleiten und zu betreuen, darin sieht Björn mittlerweile die richtige und sinnvolle Art von Hilfe, und nicht darin, Menschen zu helfen, das richtige Skateboard zu kaufen. Diese Erkenntnis wurde ihm im Laufe seiner Zeit am Westfalen-Kolleg immer deutlicher. So betreute er im Rahmen des Projektkurses Balu und Du ein Jahr lang einen Jungen aus sozial schwachen Verhältnissen. Neben diesen Erfahrungen weitete Björn sein soziales Engagement weiter aus. Im Rahmen des Familienunterstützenden Dienstes (FUD) bei der Lebenshilfe Dortmund betreute er zwei an Autismus erkrankte Personen. Auch im Bereich der Skateboardszene engagierte er sich in sozialer Hinsicht weiter. Er leitete diverse Male sogenannte Skatecolleges, welche Kindern und Jugendlichen in den Schulferien eine Freizeitperspektive bieten und bei Ihnen Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Toleranz und Verantwortungsbewusstsein anbahnen.
All die auf erzieherisches Handeln ausgelegten Erfahrungen, die Björn insbesondere mit theoretischem Wissen aus seinem Leistungskurs Erziehungswissenschaften zu reflektieren gelernt hat, nährten in ihm den Wunsch, im Bereich der Sportpädagogik seine berufliche Zukunft weiterzuentwickeln. Björn ist sich aber sicher: Auch im anstehenden Studium, welches er am liebsten berufsbegleitend absolvieren möchte, wird es Situationen geben, in denen er stürzt. Seine Reaktion wird vermutlich sein: aufstehen und weitermachen.
 
 

„Machbar ist alles, aber für vieles braucht man Unterstützung“

Lilith Beckmann mit Tochter Lea und Sohn IlljaDiese Unterstützung habe sie von allen Seiten während ihrer zweiten Schulzeit am Westfalen-Kolleg erhalten, so Lilith Beckmann, als Sie vor kurzem ihr Abiturzeugnis überreicht bekommen hat. Doch der Reihe nach: Nachdem Sie den schulischen Teil der Fachhochschulreife bereits erworben hatte, absolvierte sie zunächst eine Ausbildung als Krankenpflegerin und arbeitete daraufhin in der Schwerstbehindertenbetreuung. Die Arbeit erfüllte sie, jedoch merkte sie auch, dass dies noch nicht das Ende ihrer beruflichen Laufbahn sein kann. Auch das Selbstverständnis und Verhalten einiger ihr übergeordneter Personen in ihrem damaligen Arbeitsumfeld ließen in ihr noch mehr den Wunsch reifen, selbst im Pflegebereich Führung und eine größere Verantwortung übernehmen zu wollen. So entschloss sie sich, das Abitur nachzuholen, mit dem Ziel, Medizin zu studieren.
Die Frage „Wo das Abi nachholen?“ war für sie relativ schnell beantwortet. Ihr Vater hatte bereits 1986 das Abitur am Westfalen-Kolleg Dortmund nachgeholt, ebenso einige Bekannte der Familie Beckmann aus der direkten Nachbarschaft. Wenngleich das Westfalen-Kolleg zur damaligen Zeit anders war, so Lilith aus den Erzählungen ihres Vaters, haben sich wohl einige Dinge rückblickend nicht verändert: Toleranz, Offenheit und Hilfsbereitschaft als leitende Prinzipien, die den „Geist des Kollegs“ ausmachen.
Überzeugt, die richtige Schule des Zweiten Bildungsweges gewählt zu haben, erfuhr Lilith auch mehrmals selbst diese gelebten Prinzipien im Umgang miteinander: Nach der Geburt ihres zweiten Kindes (Tochter Lea, mittlerweile 8 Monate; Sohn Illja, 6 Jahre) begegnete die Schulgemeinschaft der alleinerziehenden Mutter durchweg positiv, als sie ihr Baby aufgrund fehlender Betreuungsmöglichkeiten zur Schule bzw. in den Unterricht mitnahm. Für Lilith war dies zunächst eine unangenehme Situation; sie wollte eigentlich so wenig wie möglich auffallen und ihre Mitstudierenden, die Lehrer bzw. allgemein den Unterricht in keinster Weise stören. Doch jeder hatte Verständnis für ihre Situation und der Unterricht lief letztlich mit der kleinen Lea genauso zielgerichtet und erfolgreich wie zuvor ab. Genauso problemlos verhielt es sich, als infolge von Kita-Streik und fehlendem OGS-Platz Sohn Illja einige Male zur Schule mitkam.
Die ihr entgegengebrachte Hilfsbereitschaft nahm ihr insbesondere die Angst vor der enormen Doppelbelastung: alleinerziehende Mutter zweier Kinder einerseits und andererseits Schülerin, die Hausaufgaben, Klausuren, Referate und sonstige Leistungen zu absolvieren hatte. Zeit für sich selbst? Keine. Schlaf? Zu wenig. Pausieren war für sie jedoch zu keinem Zeitpunkt eine Option. Je näher das Abitur rückte, desto entschlossener arbeitete Sie auf dieses Ziel hin, und das ging erstaunlich gut, so Lilith. Für die langen Leistungskursklausuren half dann Liliths Mutter bei der Betreuung der kleinen Lea. Auch Sie ist mit dem Westfalen-Kolleg eng verbunden. Als Mitglied des Quartiersmanagements des Unionviertels, in dem sich das Kolleg befindet, entstanden im Laufe der Jahre gemeinsame Projekte, die der Entfaltung des Unionviertels als lebenswerter Stadtraum dienen.
Für die erfahrene Unterstützung ist Lilith ihrer Familie, ihren Studienleitern und Fachlehrern am Kolleg sowie ihren Mitstudierenden, die mittlerweile echte Freunde geworden sind, ganz besonders dankbar.

 

Vom Fallschirmjäger in die Forscherlaufbahn

Dominic Richard GrünerDominic Richard Grüner hat in seiner „ersten Schulzeit“ ein Gymnasium besucht, dieses aber nach der 12. Klasse verlassen. Eine der größten Hürden damals: die Mathematik. Der Schule den Rücken gekehrt überlegte Dominic, in welchem Bereich er seine berufliche Zukunft sieht. Die Bundeswehr erschien ihm schon immer sehr attraktiv, so dass er sich nach dem damals obligatorischen Wehrdienst für 12 Jahre verpflichten ließ. Doch welche Perspektive könne ihm die Bundeswehr geben? Nach Auslandseinsätzen (z. B. Kosovo 2008/2009) verschlug es ihn letztlich in die Nähe von Hamburg, wo er zuletzt als Ausbilder der dort stationierten Fallschirmjäger der Bundeswehr tätig war. Zufrieden mit dieser Situation fehlte ihm jedoch die weitere Perspektive: „Berufssoldat werden“ sei momentan schwierig, so der Oberfeldwebel.
Über seinen Freundeskreis hat er dann von der Möglichkeit erfahren, sein Abitur am Westfalen-Kolleg Dortmund nachzuholen. Das Fachabitur kann man auch bei der Bundeswehr nachholen, das Vollabitur hingegen nicht. Aber genau das war es, was Dominic wollte. Nach diversen Anträgen wurde ihm schließlich bei der Bundeswehr grünes Licht gegeben: Er bleibt weiterhin Soldat, ist aber für die Dauer der Schulzeit vom Dienst befreit. Nach erfolgreicher Bewerbung am Westfalen-Kolleg war Dominic somit Soldat und Schüler gleichzeitig.

Zu seiner ursprünglich größten Hürde, der Mathematik: in der zentralen Abiturprüfung Mathematik erreichte er die Maximalpunktzahl, wurde für besondere Leistungen in Mathematik und Physik geehrt, erzielte darüber hinaus sehr gute Ergebnisse in dem bereits an der TU Dortmund - im Rahmen der Schüleruni - belegtem Seminar zum Thema „Physik, Rüstung und Abrüstung“ und nahm an Vorlesungen zur höheren Mathematik erfolgreich teil. Mehr muss zu seiner ehemals größten Hürde wohl nicht erwähnt werden.
Für die erfolgreiche Auseinandersetzung mit den Naturwissenschaften und deren Sprache sowie die Entdeckung einer diesbezüglichen Leidenschaft trugen auch die Lehrkräfte des Westfalen-Kollegs einen entscheidenden Beitrag bei, so Dominic. Einerseits die selbstständige intensive Beschäftigung mit dem Fach und andererseits die erlebte Unterstützung und Förderung durch die Lehrkräfte sind für Dominic zwei zentrale Bausteine der letzten zwei Jahre gewesen.
Seine weiteren Pläne: Physik-Studium ab dem Wintersemester 2016 an der TU Dortmund und danach in die Forschung, am liebsten wieder nach Jülich zum Institut für Energie - und Klimaforschung (IEK). Im Rahmen der Studierendenakademie ProMINat konnte Dominic dort bereits erste Einblicke in die Welt der Forschung erlangen. Vor seinem Studium wird er sogar noch einmal die Gelegenheit haben, in diese Welt abzutauchen und aktiv mitzuarbeiten: Das IEK bot ihm ein zweimonatiges Praktikum an, welches er im Sommer 2016 absolvieren wird. Rechtzeitig zum Beginn der Studienvorkurse der TU Dortmund möchte er dann allerdings wieder hier sein, um sich durch die Teilnahme daran perfekt auf das Studium vorbereiten zu können. Perfekte Vorbereitung, Disziplin und Selbstständigkeit, dies sind für ihn entscheidende Erfolgsfaktoren. Sein Abschluss als Jahrgangsbester mit der Traumnote 1,0 gibt ihm hier sicherlich recht und lässt ihn mit voller Zuversicht auf die Zukunft blicken.

 

Alles ist möglich: Traumnote 1,0

erfolgsstorylenaLena Übergünne ist im Gegensatz zu vielen anderen immer gerne zur Schule gegangen, durch ihre Erkrankung wurde sie aber im Laufe der Jahre immer stärker eingeschränkt, so dass sie die Schule mit dem „schulischen Teil der Fachhochschulreife“ verlassen musste. Sie war zutiefst unglücklich darüber, dass sie so knapp vor der Ziellinie den „Schulmarathon“ abbrechen musste. Die nächsten Jahre verbrachte sie viel Zeit mit ihrer Genesung und – obwohl mittlerweile erwerbsunfähig – ließ sie das Thema Abitur nicht los … aber wo? Frau Übergünne schildert, wie sie nach langer Suche auf ein „ominöese[s] abitur-online“ stieß, mit dem sie „nicht wirklich viel anfangen konnte“. Von dem Bildungsgang Abitur-online war sie schnell begeistert, da es ihr ermöglichte, ihren Tagesablauf an ihre Befindlichkeit anzupassen und ihre Lernphasen um ihre Therapien „drum herum zu bauen“, was im herkömmlichen Schulsystem bereits beim ersten Abi-Anlauf für Schwierigkeiten gesorgt hatte.
Nachdem sie mit dem Westfalen-Kolleg Dortmund endlich eine Schule gefunden hatte, die barrierefrei, also für Rollstuhlfahrer geeignet ist, wollte sie sich schnellstmöglich anmelden. Auf die Begeisterung folgte aber recht schnell Ernüchterung, da sie erfuhr, dass ein Besuch dieses speziellen „abitur-online“ nur mit vorangegangener, mindestens zweijähriger Berufstätigkeit möglich ist – so wurde ihre Aufnahme am Westfalen-Kolleg abgelehnt. Frau Übergünne gab jedoch nicht auf! Viele Telefonate später und mit einigen Nerven weniger, konnte mit vereinten Kräften eine Aufnahme im Ausnahmefall erstritten werden: ihr (zweiter) Weg zum Abitur war frei!
Von nun an verbrachte sie den Freitagabend und Samstagmorgen also in Dortmund und arbeitete für ihren Traum vom Abitur. Dabei, so sagt sie, sei ihr das Modell des selbstständigen Lernens sehr entgegengekommen, „denn es erlaubt, weitestgehend selbst zu entscheiden, wie viel Zeit man mit welchem Thema oder Fach verbringen möchte – ganz anders als im herkömmlichen Schulsystem.“
Mittlerweile blickt sie versöhnlich auf ihren unglücklichen ersten Abitur-Versuch zurück und freut sich stattdessen sehr auf die Zukunft voller neuer Möglichkeiten, die jetzt dank ihres doch noch erreichten Abiturs vor ihr liegt:
Im Oktober wird sie das Studium der Psychologie – welches sie schon lange fasziniert –  beginnen, mit dem Ziel als „Forscherin“ zu untersuchen, „was sich so alles in unseren Gehirnen abspielt“.
„Abitur-online war meine Chance zurück auf den vor Jahren bereits geplanten Weg – der Umweg hat sich gelohnt, denn auch dieses Mal haben mir die Schule und das Lernen Spaß gemacht und diesmal gab's am Ende auch eine Zeugnisverleihung!“ Und nicht nur das, als Jahrgangsbeste mit einem Notendurchschnitt von 1,0 zeigte Frau Übergünne, dass man alles erreichen kann, wenn man nur will!

 

Nichts für schwache Nerven: Abitur-online für beruflich Reisende

zirkusgirlsDisziplin und Selbstständigkeit sind Lara Maatz, Geraldine Philadelphia und Ekaterina (Katja) Sazonova seit ihrer Kindheit vertraut.
Lara Maatz (Bildmitte) stammt aus einer Circusfamilie (Familien- und Projektcircus Proscho ). Sie ist die jüngere Schwester unserer ersten Abiturientin Leslie Maatz, die 2012 am Westfalen-Kolleg im Pilotkurs für beruflich Reisende Abitur gemacht hat. Frau Maatz ist selbst Artistin (Hula Hoop) und arbeitet im Circus als auch als Clown und Sängerin. Sie ist wie ihre Schwester Leslie Absolventin der Schule für Circuskinder im Rheinland. Sie wurden von der Schulleiterin Annette Schwer, von Eva Röthig und Oliver Thier unterrichtet, die sie im Hintergrund auch bei der Arbeit in Abitur-online unterstützt haben.
Geraldine Philadelphia (rechts) stammt aus einer Artistenfamilie, die im Circus Roncalli arbeitet. Sie hat dort eine eigene Nummer (Hula Hoop), arbeitet aber zusätzlich auch als selbstständige Artistin.
Die Arbeit für den international aktiven Circus Roncalli brachte für Geraldine besondere Härten mit sich. Während des sechsmonatigen Österreich Gastspiels in der zweiten Jahreshälfte 2014, musste der Unterrichtstag der beruflich Reisenden von Montag auf Dienstag verschoben werden, damit Geraldine montags einfliegen konnte. Bisweilen bedeutete das für sie Abflug in Wien am Montagvormittag, Ankunft Dortmund gegen 14 Uhr, LK-Klausur bis 18:00 Uhr und am darauf folgenden Tag Unterricht von 10 – 19:30 Uhr.
Katja Sazonova (links) stammt ebenfalls aus einer Artistenfamilie (Hochseilartistik in der 5. Generation). Sie selbst arbeit als selbstständige Artistin an verschiedenen Circussen und Varietés mit (Hula Hoop und Vertikalseil). Seit ihrer Geburt ist sie mit ihren Eltern und dem Circus durch Westasien und Europa gereist. Im Alter von sechs Jahren kam sie nach Deutschland und besuchte zunächst eine Grundschule in Haldensleben in der Nähe von Magdeburg. Ab 2008 war auch sie Schülerin der Schule für Circuskinder, wo sie wie Lara und Geraldine den mittleren Bildungsabschluss erworben hat.
Mit viel Engagement haben alle drei zusammen am Westfalen-Kolleg studiert, um im Bildungsgang abitur-online beruflich Reisende die Allgemeine Hochschulreife zu erlangen. Dies ist ihnen mit Erfolg gelungen, so dass sie jetzt über ein Fernstudium Richtung Eventmanagement nachdenken.

 

Pausieren kommt nicht in Frage

JenniferMichallekJennifer Michalleks „Karriere“ am Westfalen-Kolleg begann, wie bei vielen anderen Studierenden auch: Ein Freund empfahl ihr das Kolleg, sie machte den Einstufungstest und begann – wie die meisten – im ersten Semester. So verlief die Einführungsphase recht unspektakulär, dies änderte sich schlagartig mit Beginn der Qualifikationsphase, als Jennifer Michallek merkte, dass sie schwanger war. Was tun? Babypause oder weiter machen? Nach einer Babypause wäre ja alles anders, neue Lehrer, neue Mitstudierende, vielleicht sogar neue Leistungskurse. Gerade diese Angst vor der Veränderung hielt sie nach eigener Aussage von einer Pause ab, sie „wollte es einfach versuchen“ und sehen, ob sie es schafft. Das hat sie und wie! Am Freitag schreibt sie noch schnell eine Französischklausur, zwei Tage später am 10. November 2013 bringt sie ihren Sohn zur Welt. Nur vier Wochen später ist sie wieder am Kolleg und schreibt die versäumten Klausuren nach. Verschlechtern sich durch die Geburt und die Doppelbelastung die Leistungen im Abitur? Mitnichten, eher scheint der Sohn der Motor zu sein, denn sie erreicht in drei von vier Abiturfächern 15 Punkte! Dabei machen beide einen so fröhlichen und entspannten Eindruck, als sei das ein Spaziergang. Rückblickend sagt Frau Michallek, dass das Weitermachen eine gute Entscheidung gewesen sei, jetzt wolle sie aber doch erst einmal ein halbes Jahr Pause machen, bevor sie dann ein Studium im Bereich „Modemanagement“ aufnehmen wird.

 

Traumnote 1,0 - ein angehender Physiker zeichnet sich aus

JanSteimannAls Jan Steimann an der Gesamtschule seine mittlere Reife mit Qualifikation schaffte, dachte er, dass er mit Schule fertig sei. Seine Meinung dazu: "Schule war einfach zu langweilig!" So fing er eine Ausbildung als Systemelektroniker an und begriff ziemlich schnell, dass ein Arbeitstag ziemlich lang und leider auch nicht immer spannend war. Sein Vater, der 1980 auch am Westfalen-Kolleg sein Abitur nachgeholt hatte, gab ihm den Tipp, sein Glück ebenfalls am Kolleg zu versuchen. Um die Eingangsvoraussetzungen zu erfüllen, hielt Jan Steimann seine Ausbildung bis zum Ende durch, am Tag seines Abschlusses meldete er sich schnurstraks am Kolleg an. Das Abitur erreichte er mit der Traumnote 1,0, dabei wurde er für seine Leistungen in den Fächern Mathematik und Physik noch einmal gesondert gewürdigt. Auf die Nachfrage, wie er eine so konstant hohe Leistung in allen Fächern zeigen konnte, sagte er: "An manchen Fächern hatte ich schon ein geringeres Interesse als an anderen, aber dann dachte ich, besser mitmachen, dann geht die Zeit schneller um." Jan Steimann strebt ein Studium im Fach Physik an. Mit welchem Ziel? "Soweit wie ich komme - Promotion nicht ausgeschlossen!"

 

Vom Vorkurs zum Medizinstudium

Olivia_TeslinDas hätte sich Olivia Teslin nicht zu träumen gewagt, als sie vor Jahren mit ihren Eltern aus Kasachstan nach Deutschland kam und in die vierte Klasse eingeschult wurde. Da waren Ihre schulischen Leistungen noch „sehr schlecht“ und sie ging den Weg, den viele Kinder mit Migrationshintergrund gehen, sie erwarb den Hauptschulabschluss und durch ihre Ausbildung zur Kauffrau im Einzelhandel, die sie bei der „Motorradgesellschaft“ in Dortmund absolvierte, den Realschulabschluss. Das alles reichte ihr nicht und sie bewarb sich als „letzte Chance“, wie sie sagt, am Westfalen-Kolleg. Dort wurden Defizite in Deutsch und Englisch festgestellt, so dass sie in den Vorkurs eingestuft wurde. Jetzt war ihr Ehrgeiz erst recht geweckt. Die Zeit im Vorkurs hat was genutzt, sagt sie, wann hätte sie sonst ihre Defizite aufarbeiten können. Und das hat sie gründlich getan, so hat sie z. B. als Kandidatin des Kollegs an der Studierendenakademie ProMINat teilgenommen und ihre Erfahrungen in einem Bericht festgehalten. Ihr Abiturzeugnis weist als Gesamtergebnis eine 1,5 aus, leider habe ihre Vorbereitung auf die Latinumsprüfung, die sie mit 1+ abschloss und für das Medizinstudium braucht, dazu geführt, dass sie in den anderen Fächern etwas abgerutscht sei. Frau Teslin bleibt bescheiden und ist dankbar für die Möglichkeit, die sie durch das Kolleg bekommen hat und dass nun, dem angestrebten Medizinstudium nichts mehr im Wege steht.

 

Mit Power zum Abitur – 48jährige berufstätige Mutter von fünf Kindern holt online ihr Abitur nach!

BirgittHoehn Langeweile ist ein Fremdwort im Leben von Birgitt Höhn. Nach zwölf Jahren Schule absolvierte sie zunächst eine Ausbildung zur Kosmetikerin, in diesem Beruf arbeitete sie über 20 Jahre, davon 15 Jahre als Geschäftsführerin einer großen Kette an der Düsseldorfer Königsallee. Ihr erstes Kind bekam sie mit 22 Jahren, zu diesem Zeitpunkt war sie schon im zweiten Beschäftigungsjahr nach ihrer Ausbildung. Es sollten fünf weitere Kinder (heute zwischen 5 und 26 Jahren alt) folgen, parallel dazu zog sie noch sechs „schwer erziehbare“ Pflegekinder groß. Daneben machte sie sich mit einer eigenen Firma („Tintenstation“) selbstständig, wo sie auch schon mal Drucker repariert. Andere gerieten bei diesen Daten aus der Puste, nicht so Birgitt Höhn, die sich auch noch politisch engagiert. Bei den Grünen ist sie in der zweiten Amtsperiode als 1. Sprecherin des Kreisverbandes Kleve mit 16 Ortsverbänden, ebenso gehört sie der Ratsfraktion in Rees an, bei der Landtagswahl 2012 war sie Listenkandidatin. Trotzdem hat es sie immer gestört, dass sie nicht die allgemeine Hochschulreife hatte, glaubte, dass ihr etwas fehle und sie mehr erreichen könne, wenn sie qualifizierter sei. Also machte sie sich daran, auch dieses Ziel zu erreichen. Nach zwei gescheiterten Anläufen am Abendgymnasium, welches nicht vereinbar mit Familie und Parteileben war, hörte sie von dem Bildungsgang Abitur-online am Westfalen-Kolleg Dortmund. Zwei mal in der Woche saß sie 400 Kilometer im Auto, um von Rees nach Dortmund und zurück zu kommen, um es sich selbst zu beweisen, aber auch, um andere dazu zu ermutigen, diesen Schritt zu gehen. Bigitt Höhn hat es geschafft, sogar mit einer eins vor dem Komma. Das nächste Ziel ist schon anvisiert: ein Studium der Soziologie und Politikwissenschaft.

 

Fritz Eckenga wird Pate des Westfalen-Kollegs

FritzEckengaFür das Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ konnten das Westfalen-Kolleg den Dortmunder Kabarettisten, Radiokolumnisten, Autor und ehemaligen Kollegiaten Fritz Eckenga als Paten gewinnen. Ein Beweggrund, so schildert er in einem Interview sei, dass er sich als ehemaliger Studierender des Westfalen-Kollegs der Schule generell verbunden fühle und viele positive Erinnerungen an diese habe. Daneben sei aber auch die Standortfrage zu berücksichtigen. Leben in Dortmund erfordert, laut Eckenga, eine Positionierung und so war es für ihn eine Selbstverständlichkeit dem Kolleg als Pate für Courage und gegen Rassismus zur Verfügung zu stehen.
Fritz Eckenga wurde 1955 in Bochum geboren und machte im Juli 1981 sein Abitur am Westfalen-Kolleg.
Er ist (Gründungs)mitglied des Musik-Theaterensembles N8Schicht, hatte Soloauftritte als Kabarettist in NRW und ganz Deutschland. Daneben hält er als freier Autor bundesweite Lesungen und ist Kolumnist des ARD-Hörfunks. Ausgezeichnet wurde er mit diversen Literaturpreisen und dem Radio-Kabarett-Preis „Salzburger Stier“.
Das Westfalen-Kolleg freut sich, dass mit Fritz Eckenga eine dem Westfalen-Kolleg verbundene Person die Patenschaft übernimmt.

Zeitungsartikel Stadt-Anzeiger: Westfalen-Kolleg ist Schule ohne Rassismus

 

Erfolgsstory mit Kindern

Erfolg mit KindernSabrina Schröder hatte es nicht leicht. Vom Gymnasium auf die Realschule, die FOR mit eher mäßigem Ergebnis, in der Familie läuft auch nicht alles rund. Mit zwanzig wurde sie zum ersten Mal Mutter - alleinerziehende Mutter. Drei Jahre später der Wunsch, dass Abitur am Westfalen-Kolleg nachzuholen. Dort wird sie ins zweite Semester eingestuft, muss aber am Ende doch aufhören, da sie chronisch erkrankt. Dann kommt das zweite Kind, weiterhin alleinerziehend. Als sie merkt, dass ihre Tochter Schwierigkeiten in der Schule hat, lässt sie sie testen, das Ergebnis: die Tochter ist, ebenso wie sie selbst, hochbegabt! Nun will sie es wissen: trotz chronischer Erkrankung und zwei Kindern meldet sie sich im Bildungsgang abitur-online an. Ihre Mutter, obwohl selbst berufstätig, hütet in den Präsenzzeiten die Kinder. Nach ihrer Motivation gefragt, sagt Sabrina Schröder: "Für die Kinder. Ich wollte ihnen zeigen, dass man alles schaffen kann, wenn man es will!" Und das hat sie, Sabrina Schröder erreichte das Abitur mit der Traumnote 1,0!
 

 

Erste Zirkuskinder mit Abitur

Adela Alvarez und Leslie MaatzDisziplin und Selbständigkeit sind Leslie Maatz und Adela Alvarez seit ihrer Kindheit an vertraut. Leslie Maatz ist mit ihrer Familie und deren Circus Proscho stets unterwegs gewesen, durchlief eine klassische Artistenausbildung und hat gleichzeitig die Schule für Circuskinder besucht. Mit viel Engagement hat sie dann zusammen mit Adela Alvarez am Westfalen-Kolleg studiert, um im Bildungsgang abitur-online.nrw die Allgemeine Hochschulreife zu erlangen. Dies ist beiden mit großem Erfolg gelungen und so hat Ministerin Löhrmann am 23.6.2012 den ersten "Zirkuskindern" in Deutschland das Abiturzeugnis überreicht. Abitur-online war für die Artistinnen auch die optimale Vorbereitung auf ein Fernstudium, welches Leslie im Bereich Pädagogik oder Eventmanagement beginnen möchte. Dies bietet ihr auch weiterhin die Möglichkeit, Bildung und beruflichen Erfolg zu vereinbaren. Adela Alvarez stammt aus einer spanischen Artistenfamilie, die hauptsächlich in Deutschland auftritt, aber auch Engagements auf der ganzen Welt wahrnimmt und für den Circus Roncalli arbeitet. Sie möchte zum Wintersemester 2012 ein duales Studium im Bereich Eventmanagement beginnen. Sie ist die erste in ihrer Familie und ihrem Freudeskreis mit Abitur und möchte die Chance nutzen, die ihr durch ihren Abschluss über das Angebot abitur-online.nrw gegeben ist.

Zeitungsartikel WAZ - "Zirkuskinder machen Abi an Dortmunder Schule"

 

Selbstvertrauen gewonnen

Joe JemisiJoe Jemisi kam mit 11 Jahren als Sohn einer politisch verfolgten Familie aus dem Kongo nach Deutschland. Schon als Kind war sein Traum Lehrer zu werden. Er verließ die Realschule erfolgreich mit dem Qualifikationsvermerk. Es folgte eine Lehre zum Lagerlogistiker, die er in der kürzest möglichen Zeit abschloss. Er arbeitete ein Jahr in diesem Beruf, als mehrere Filialen seiner Firma geschlossen und zusammengelegt wurden. Nur die Mitarbeiter mit höherer Qualifikation und höherem Schulabschluss wurden übernommen. Joe beschloss das Abitur am Westfalen-Kolleg nachzuholen. Im Sommersemesters 2011 war dieses Ziel erreicht. Joe sagt, dass besonders die unterschiedlichen Menschen am Westfalen-Kolleg und die Hilfe untereinander ihn geprägt haben. Jetzt, mit bestandenem Abitur, traut er sich das Lehramtsstudium zu.

 

Ein erfolgreicher So(h)list

Maik WeischeMaik Weische war bereits ein erfolgreicher, selbständiger Orthopädieschuhmacher-Meister in Menden als er sich entschied, parallel zum Beruf sein Abitur nachzuholen. Es war für ihn eine große Herausforderung, seinen Kunden, der Familie, den Freunden und sich selbst gerecht zu werden, und dennoch hat er sein Abitur mit sehr guten Noten geschafft.                                                                                    Zeitungsartikel Mendener Nachrichten - "Spätberufener schafft mit 32 Jahren Abitur"

 

Einen Schritt näher am Wunschberuf

Stephanie Wissmann


Realschulabschluss, Ausbildung zur Schaugewerbegestalterin, nach der Ausbildung attraktives Jobangebot. Doch Stephanie Wissmann war mit ihrer Berufswahl nicht mehr glücklich. Sie wollte sich gerne umorientieren, aber es ist gar keine so einfache Entscheidung den festen Arbeitplatz für etwas Neues, Ungewisses aufzugeben. Im Bildungsgang Abitur-online konnte sie weiter ihrem gelernten Beruf nachgehen und sich parallel auf das Abitur vorbereiten. Stephanie Wissmann hat ihre Abiturprüfungen mit sehr gutem Erfolg bestanden. Damit hat sie die Voraussetzung für ein Lehramtsstudium erfüllt und ist ihrem Wunschberuf Lehrerin einen großen Schritt näher gekommen.
 
Zeitungsartikel der RuhrNachrichten - "Einen Schritt näher am Wunschberuf""


In den Hafen eingelaufen


Nach einigen Jahren der Welterkundung, die er als Mitglied der Marine auf hoher See verbrachte, erlangte der gelernte Zimmermann Hans Kisch aus dem rumänischen Siebenbürgen im Jahr 2008 am Westfalen-Kolleg sein Abitur. Seit dem Wintersemster 2008 studiert er an der Ruhr-Universität Bochum Philosophie und Religionswissenschaft.

In einem Radiointerview mit dem WDR gab er Auskunft über seinen Werdegang.


Mutter und Tochter gemeinsam zum Abitur

MutterundTochter


Nadja und Petra Nickel haben ihren Wunsch-Notendurchschnitt (Nadja mit 1,7 und Mutter Petra mit 1,3 als Jahrgangsbeste) geschafft. Beide studieren jetzt in Münster.

Zeitungsartikel der Westfälischen Rundschau "Mutter und Tochter - Eine Klasse für sich"

Radiobericht Radio DO91.2


54-Jährige absolviert ihr Abitur online mit 1,0

Abitur-online mit 54


Abends online Aufgaben bearbeiten und freitagabends sowie samstagmorgens zur Schule gehen. Für viele bedeutet abitur-online.nrw eine Verwirklichung ihres Ziels, um die Fachhochschulreife oder das Abitur zu erlangen, da sie meist aus familiären oder beruflichen Gründen keinen Vormittagsunterricht besuchen können. Die 54-jährige Sylvia Schmidt war im Jahrgang 2007 die älteste Studierende, dabei aber auch die erfolgreichste. Während das Durchschnittsalter in den online-Kursen bei ca. 35 Jahre liegt, sind die Studierenden im Vollzeitsystem deutlich jünger. Sylvia Schmidt sagt: „Der abitur-online-Lehrgang erfordert eine hohe Selbstdisziplin. Wer wie ich keine Möglichkeit besitzt, die Schule vormittags oder abends zu besuchen, für den ist dieses Angebot die einzige Chance, um das Abitur zu erlangen.“

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