Gesprächsrunde mit Frau Erika Rosenberg-Band aus Argentinien

Gesprächsrunde mit Frau Erika Rosenberg-Band „Wenn man nicht weiß, woher man kommt, weiß man nicht, wohin man geht.“
 - Frau Professorin Erika Rosenberg-Band zu Gast im Westfalen-Kolleg Dortmund

Am 01. Dezember 2015 fand am Westfalen-Kolleg Dortmund eine Gesprächsrunde im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Wider das Vergessen" mit Frau Erika Rosenberg-Band aus Argentinien statt.
 
Dolmetscherin, Autorin, Journalistin, Dozentin, Lehrerin, Biographin von Emilie und Oskar Schindler und Zweitzeugin der NS- Zeit, ferner Zeitzeugin der argentinischen Diktatur – all dies ist Erika Rosenberg in einer Person. 1951 wurde sie in Buenos Aires als Tochter deutsch-jüdischer Einwanderer geboren, die bereits 1936 vor dem NS-Terror aus Deutschland geflohen waren.

Etwa 200 Interessierte folgten dem Gespräch, das Studierende eines Geschichtskurses des Westfalen-Kollegs mit Erika Rosenberg in der hauseigenen Cafeteria führten. Die Fragerunde, die das Publikum miteinbezog, kreiste dabei um die Themen NS-Zeit und Exil, die argentinische Militärdiktatur (1976-1983) und das Ehepaar Schindler, aber auch um den Zusammenhang von traumatischen Verlusterfahrungen mit der Lebenseinstellung.

Erika Rosenbergs Eltern, in Deutschland Ärztin und Jurist, war mit gefälschten Pässen die Flucht nach Paraguay gelungen, von wo sie unter abenteuerlichen Bedingungen nach Argentinien gelangt waren. In ihrem Elternhaus habe die deutsche Kultur immer eine Rolle gespielt und ihr sei häufig die Rolle einer Mittlerin zwischen dieser Lebenswelt und der argentinischen Umwelt zugefallen. Erika Rosenberg-Band sieht sich selbst einerseits als halb argentinisch, halb deutsch, andererseits als Weltbürgerin. Obwohl von ihren beiden Familien väterlicher- und mütterlicherseits, abgesehen von ihren Eltern, niemand den Holocaust überlebte, steht sie Deutschland nicht ablehnend gegenüber. Im Gegenteil: Sie hat immer wieder die Heimat ihrer Eltern bereist, oft aus beruflichen Gründen, als Autorin, aber auch in den 80er Jahren mit ihrer Mutter. Die Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte sei für sie umso dringender gewesen, als die Eltern dazu geschwiegen hätten.

1990 lernte Erika Rosenberg die in Argentinien in ärmlichen Verhältnissen lebende Emilie Schindler, Witwe Oskar Schindlers kennen. Aus dieser Begegnung sei eine Freundschaft erwachsen zwischen einer Frau, die zusammen mit ihrem Mann zur Fabrikarbeit abkommandierte Juden rettete, und einer Nachfahrin verfolgter Juden. Emilie Schindler aus dem Schatten ihres Ehemannes geholt zu haben, ist das Verdienst Erika Rosenbergs, die in der Folge auch zur Anwältin der Schindlerwitwe wurde und sie in den letzten Lebensjahren unterstütze, u. a. in der Auseinandersetzung um die Filmrechte der Schindlergeschichte. Die Begegnung mit Emilie Schindler sei – so Erika Rosenberg – zu einem der Wendepunkte in ihrem Leben geworden.

Ihrem Publikum gab der argentinische Gast als Fazit der Gesprächsrunde im Westfalen-Kolleg mit auf den Weg: Nie aufgeben, immer dranbleiben!
 
 Frau Erika Rosenberg-Band Publikum Frau Erika Rosenberg-Band mit den OrganisatorInnen der Gesprächsrunde
 
 
 
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