Geschichte / Sozialwissenschaften

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Geschichte- bloß Vergangenheit?

Die Welt unterliegt einem steten Wandel und die Globalisierung beschleunigt diesen Prozess. Der Einzelne versucht sich in dieser Welt zurecht zu finden und aktuelle Ereignisse zu verstehen. Viele ökonomische, politische und soziale Phänomene lassen sich nicht allein auf die heutige Situation reduzieren, sondern sind Teil eines Ganzen- der Geschichte. Die eigene Identität ist geprägt von Erfahrungen und Wertvorstellungen. Somit stellt sich der Geschichts- und Sozialwissenschaftsunterricht der Herausforderung, persönliche Erfahrungen und Einstellungen vor dem Hintergrund historischer Ereignisse kritisch zu reflektieren.

Am Westfalen-Kolleg sind Geschichte und Sozialwissenschaften zu einem Unterrichtsfach zusammengefasst, um historische Ereignisse in einem größeren Zusammenhang untersuchen zu können. Im 1. und 2. Semester belegen alle Studierende das Fach Geschichte/Sozialwissenschaften. Sie erlernen in der Einführungsphase die Grundtechniken und -methoden der Textbearbeitung an Hand von ausgewählten Themen wie der Französischen Revolution und der Industrialisierung. Die Benotung basiert auf der mündlichen Beteiligung und je einer Klausur pro Semester.

Sie können für die Qualifikationsphase (3.-6. Sem.) Geschichte/Sozialwissenschaften als Grund- oder Leistungskurs wählen. Was erwartet Sie in der Qualifikationsphase?

Hier eine erste Kurzinformation: Für den Abiturjahrgang 2009 sind die folgenden inhaltlichen Schwerpunkte für die Kurssemester 3 – 6 vorgegeben:

  • Auswirkungen des Industriekapitalismus im 19. Jahrhundert in Deutschland auf die Lebens- und Arbeitswelt
  • Konflikte, Kriege und Friedensregelungen in Europa in der Epoche des Nationalismus nach 1870
  • Macht- und Herrschaftsstrukturen am Ende des Rechts- und Verfassungsstaates in Deutschland 1933/34
  • Politische Partizipation nach dem 2. Weltkrieg im Hinblick auf die europäische Einigung

 


1. Semester

Zu Beginn des ersten Semesters wird ein Thema bearbeitet, das eine aktuelle Problematik aufgreift und diese vor einem „historischen” Hintergrund beleuchtet. Nach diesem zeitgeschichtlichen Einstieg werden Sie sich mit den grundlegenden politischen und gesellschaftlichen Veränderungen beschäftigen, die durch die französische Revolution in Frankreich und Europa eingeleitet worden sind. So werden Sie die Geburtsstunde der modernen parlamentarischen Demokratie „miterleben” und erfahren, was sich hinter den Begriffen Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit verbirgt.

Für die heute oftmals für selbstverständlich genommene Demokratie haben bereits vor vielen Generationen Menschen gekämpft und ihr Leben gelassen. „Revolutionäre” Umwälzungen müssen jedoch nicht immer von Terror und Gewalt begleitet werden, wie die so genannte „friedliche Revolution” in der DDR eindrucksvoll beweist, die ebenfalls behandelt werden kann. Sie werden verschiedenen Quellenarten begegnen und die Grundzüge methodischer Quellenarbeit, v.a. bezogen auf Text- und Bildmaterial, erlernen.


2. Semester

Die wohl weitreichendste gesellschaftliche und wirtschaftliche Umwälzung bestehender Verhältnisse, die unser heutiges Denken noch immer bestimmt, ist die Epoche der „Industrialisierung”.

 

Welche technischen Innovationen machten es den Menschen möglich, sich die Natur in immer größerem Maße untertan zu machen? Welche Rolle spielte der Einzug einer neuen, naturwissenschaftlich geprägten Art des Denkens?

 

Der inhaltliche Schwerpunkt liegt dabei auf der „verspäteten” Industrienation Deutschland, die erst viele Jahrzehnte nach England ihren ökonomischen Siegeszug antrat. Selbstverständlich wird auch die methodische Arbeit geschult, so werden Sie beispielsweise lernen, Referate thematisch zu strukturieren und diese ansprechend und überzeugend vorzutragen.


3. Semester

Im 3. Semester werden Sie sich mit der Industrialisierung in Deutschland näher beschäftigen, wobei der tiefgreifende sozio-ökonomische Wandel im Vordergrund steht. Durch die Einführung neuer Produktionsweisen, v.a. der Fabrikarbeit, spitzten sich die sozialen Probleme der Lohnarbeiter immer mehr zu - die „soziale Frage” führte von intensiven Reformbemühungen bis hin zu revolutionären Bewegungen.

So werden Sie Lösungsansätze von Marx, der SPD, dem Staat, den Kirchen und den Unternehmern Unterrichtsgegestand sein. Des Weiteren werden die Themen Nationalismus und Imperialismus in Deutschland behandelt. Der lange Weg Deutschlands zur nationalen Einigung, der sich über eine „gescheiterte Revolution” und drei „Einigungskriege” vollzog, wird ebenso kritisch nachvollzogen wie die sich verändernde Außenpolitik des Deutschen Reiches, die letztendlich maßgeblich zur Katastrophe des Ersten Weltkriegs beigetragen hat.

Die kritische und eigenständige Quellenarbeit mit unterschiedlichen Medien steht dabei methodisch im Vordergrund.


4. Semester

August 1914: Frühstück in Paris! Menschen ziehen jubelnd in den Krieg. Doch der schnelle Sieg bleibt aus und es kommt zu einem blutigen Stellungskrieg, der das Antlitz Europas verändert.

Ausbruch und Verlauf des Ersten Weltkrieges sind Unterrichtsgegenstand des 4. Semesters. Daran schließt sich die Auseinandersetzung mit dem Versailler Friedensvertrag an. Sie werden feststellen, dass die Bedingungen des Vertrages in Beziehung zu setzen sind mit dem, was Sie im vorherigen Semester gelernt haben. Die Folgen der imperialistischen Politik finden hier ihren Ausdruck und stellen eine große Last für die junge Demokratie der Weimarer Republik dar. Das Scheitern der Weimarer Republik sowie die Frage, wie die Nationalsozialisten an die Macht kommen konnten, werden zu untersuchen sein. Sie werden diese Themen anhand verschiedener Quellen (z.B. Bilder, Karten, Filmmaterial, Diagramme und Textdokumente) erarbeiten und lernen, sich quellenkritisch damit auseinander zu setzen. Das Gliedern und Argumentieren werden weitere Hauptbestandteile des methodischen Arbeitens sein.


5. Semester

Das Oberthema des 5. Semesters lautet „Politische Partizipation” nach dem Zweiten Weltkrieg.

Hier beginnen wir mit Frage nach der „Stunde Null”. Stand Deutschland nach der Kapitulation vor einer Wahl oder war Deutschlands Weg bereits durch die Siegermächte vorgegeben? Bei der Behandlung der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik könne mögliche Themenschwerpunkte die Studentenbewegung 1968 und die RAF sowie die Oppositionsbewegung in der DDR sein.

Der Kalte Krieg spaltete die Welt in einen Ost- und einen Westblock. Erst mit der neuen Politik durch Generalsekretär Michail Gorbatschow wurde eine neue Politik der Annäherung möglich. Das Thema „Die Wende” aus dem 1. Semester wird wieder aufgegriffen und genauer untersucht. Hier wird die selbstständige Quellenanalyse im Vordergrund stehen ebenso wie der Quellenvergleich. Denkbar sind hier auch Archiv- und Ausstellungsbesuche (z.B. das Haus der Geschichte in Bonn) oder die Durchführung von Zeitzeugenbefragungen.


6. Semester

Im 6. Semester werden die Schwerpunkte der vorherigen Semester wieder aufgegriffen und zur Vorbereitung auf das Abitur wiederholend vertieft.Sie werden gezielt auf die mündliche bzw. schriftliche Abiturprüfung, z.B. durch Prüfungssimulationen, vorbereitet.

 


Das Curriculum ist auf der Grundlage der Vorgaben im Zusammenhang mit dem „Zentralabitur NRW“ konzipiert!

Link zu den Vorgaben fürs Zentralabitur und zu den fachspezifischen Operatoren und Aufgabenbeispielen:
Operatoren und Aufgabenbeispiele