Filmseminar zu Jud Süß

Filmseminar zu Jud Süß Wir Deutschen sind gebrannte Kinder, wissen, was ideologisch verblendeter Hass anrichten kann. Und dennoch sind Vorurteile gegenüber Minderheiten bei uns nach wie vor weit verbreitet, gleich, ob es um Roma, Homosexuelle, Muslime oder eben Juden geht.
Das Westfalen-Kolleg Dortmund gehört seit 2013 zum Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ und tritt seit je nach innen und außen aktiv gegen Diskriminierung ein.
Hier setzte das Filmseminar zu „Jud Süß“ an, das Horst Walther vom Institut für Kino und Filmkultur, Wiesbaden, am Westfalen-Kolleg, vor ca. 280 Studierenden und Lehrenden, am 25. und 26. Februar 2014 durchgeführt hat.
Diskussion zum Film Jud Süß Die Nazis hatten begriffen, dass allzu plumpe Hetze, wie etwa in dem Dokumentarfilm „Der ewige Jude“, eher abstoßend wirkte.
Herr Walther zeigte sehr gründlich und mitreißend, wie raffiniert der Regisseur Veit Harlan im Jahre 1940 im engen Zusammenspiel mit Propagandaminister Joseph Goebbels und einem großen Staraufgebot mit „Jud Süß“ einen melodramatischen Spielfilm komponiert hatte, der, ein Jahr vor Beginn der systematischen Ermordung der europäischen Juden, mit den Mitteln der Unterhaltung den rassistischen Judenhass der Nazis propagierte.
Dazu nahmen sie einen historischen Stoff aus dem 18. Jahrhundert, Aufstieg und Fall des jüdischen Bankiers und hohen Staatsbeamten Joseph Oppenheimer am württembergischen Hof in Stuttgart, der auch schon von Wilhelm Hauff und Lion Feuchtwanger literarisch bearbeitet worden war. Sie gaben ihm aber durch dramaturgische Verfälschungen eine bösartige antisemitische Note.
In der anschließenden Diskussion blieb strittig, ob es richtig ist, dass dieser Film, der in der Nazizeit ein Millionenpublikum fand, auch heute noch auf der von den Alliierten nach dem Sieg über Hitler verfügten Vorbehaltsliste steht und immer mit professioneller wissenschaftlich-didaktischer Begleitung - und daher ein rares Erlebnis - gezeigt wird. Einig waren sich die Teilnehmer aber darin, dass das Filmseminar einen ganz hervorragenden Beitrag zur antirassistischen Bildungsarbeit am Westfalen-Kolleg leistete.
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