Studienfahrt nach Auschwitz und Krakau

20190510Auschwitz3Vom 06.05.2019 - 10.05.2019 reiste eine Gruppe von 17 Personen, darunter 13 Studierende des Westfalen-Kollegs und vier Teilnehmer*innen des VMDO (Verbund sozial-kultureller Migrantenvereine Dortmund e. V.) nach Oswiecim, Polen, um sich dort mit den Verbrechen der Nationalsozialisten während des 2. Weltkriegs auseinanderzusetzen.

Die Reiseteilnehmer berichten aus ihrem Reisetagebuch:

„Wir trafen uns morgens um 6:40 Uhr in Dortmund am Flughafen und flogen von dort nach Kattowitz. Dort holte uns Richard ab, der für eine Woche unser Busfahrer war. Wir fuhren nach Oswiecim, wo das Konzentrationslager Auschwitz durch das deutsche NS-Regime in einem Randbezirk der Stadt gegründet wurde. Der Name der Stadt wurde in Auschwitz geändert und wurde ebenso Bezeichnung des Lagers: Konzentrationslager Auschwitz.

Am ersten Tag besichtigten wir zunächst die Stadt Oswiecim und begaben uns auf die Spuren des jüdischen Lebens vor dem 2. Weltkrieg. Im Rahmen eines Tagesrückblicks am Abend bereiteten wir uns auf den nächsten Tag vor: Der Besuch des Stammlagers Auschwitz I, das sich unweit unserer Unterkunft befand.

Den nächsten Tag begannen wir mit einer 4-stündigen Studienführung mit einer sehr gut ausgebildeten Gedenkstättenpädagogin durch das Stammlager I. Die Gedenkstätte entstand im Juli 1947. Sie umfasst die zwei ehemaligen Lager Auschwitz I und Auschwitz II-Birkenau auf einer Fläche von 191 Hektar. Damit schließt die Gedenkstätte viele Anlagen der Massenvernichtung der Juden sowie über 150 verschiedene Originalobjekte des ehemaligen Lagers ein. Die Gedenkstätte wurde 1979 von der UNESCO auf die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.

Alle Teilnehmer*innen der Fahrt zeigten sich sehr berührt von dem, was sie über den Lageralltag und die Demütigungen der Häftlinge durch die Nationalsozialisten erfuhren. Nach dem Mittagessen hatten wir Zeit für eine individuelle Besichtigung der sogenannten Länderausstellungen. Diese wurden nach Kriegsende von Häftlingen konzipiert und immer weiter ausgebaut. Die verschiedenen Ausstellungen informieren die Besucher*innen über die jeweiligen, von den Nazis besetzten Länder, aus denen Häftlinge deportiert wurden und präsentieren ihre Schicksale. Abends haben wir das am Tag Gesehene und Erlebte besprochen und gemeinsam den Besuch des Lagers Auschwitz II-Birkenau vorbereitet.

Am nächsten Tag fuhren wir mit dem Bus nach Auschwitz-Birkenau und wurden von unserem Guide Barbara vier Stunden durch das Lager geführt. Im Lager Birkenau errichteten die Nationalsozialisten die meisten Anlagen zur Massenvernichtung. Dort wurden etwa eine Million europäische Juden ermordet. Gleichzeitig war Birkenau das größte Konzentrationslager. Es gab dort mehr als 300 Baracken, die meisten von ihnen bestanden aus Holz. Auf dem Gelände befinden sich Orte voller menschlicher Asche und viele Relikte des Lagers. Es ist kaum zu erfassen, zu welchen Grausamkeiten Menschen fähig sind.

Am Nachmittag fuhren wir mit dem Bus zu einem Franziskanerkloster in der Nähe des Lagers Birkenau und besuchten dort die Ausstellung „Labyrinthe“ von Marian Kołodziej. Waren schon die Besichtigungen der Arbeits- und Vernichtungslager Auschwitz und Auschwitz-Birkenau emotional sehr bedrückend, verschlug es den meisten von uns bei der Besichtigung der Ausstellung jedoch die Sprache. In sehr eindrücklichen Zeichnungen schildert Kołodziej den Alltag und die grausamen Demütigungen und Verletzungen in verschiedenen Konzentrationslagern (insbesondere Auschwitz-Birkenau), die er als politischer Häftling selbst erlebt hatte und für deren Beschreibung man kaum Worte findet. Nach dem abendlichen Treffen bereiteten die Studierenden gemeinsam eine Gedenkfeier vor, um Abschied von dem Ort Oswiecim und den Konzentrationslagern zu nehmen. Als Gedenkort wählten wir einen kleinen unscheinbaren jüdischen „Friedhof“, auf dem anonym in einem Massengrab ca. 700 Juden begraben liegen. Am Donnerstag fuhren wir mit dem Bus nach Krakau. Wir hatten das Glück, mit einer Zeitzeugin sprechen zu können und ihre Lebensgeschichte zu hören. Monika Goldwasser hat als einzige ihrer Familie als Kind den Holocaust überlebt. Das Treffen mit Frau Goldwasser war sehr bewegend. Im Anschluss besichtigten wir das ehemalige jüdische Viertel Kazimierz in Krakau und wurden von Sylvia, einer wunderbaren Stadtführerin, durch das Viertel geführt. Vor dem Krieg hatte Krakau rund 250 000 Einwohner, gut ein Viertel davon waren Juden. Heute leben in Krakau dreimal so viele Menschen. Die jüdische Gemeinde, beziehungsweise das, was von ihr übriggeblieben ist, zählt nur noch ca. 200 Juden. Kazimierz ist heute ein Ausgehviertel mit vielen Kneipen, Bars und Cafés.

Nach der Stadtführung hatten wir ein bisschen Freizeit und konnten die schönste polnische Stadt auf eigene Faust erkunden. Wir schlossen den Tag in dem jüdischen Restaurant „Klezmer-Hois“ ab, wo wir in sehr gemütlicher Atmosphäre gegessen haben, während eine großartige Klezmer Band spielte. Später stürzten wir uns noch für ein paar Stunden ins Nachtleben und trafen uns dann mehr oder weniger frisch am nächsten Morgen um 8 Uhr 30 wieder mit Sylvia, die uns nun das königliche Krakau zeigte, die Burg Wawel. In der Sonne sitzend konnten wir den Blick auf die Burg und die Stadt genießen. Um 12 Uhr fuhren wir zum Flughafen Kattowice und landeten gegen 17 Uhr erschöpft, aber zufrieden, in Dortmund am Flughafen.

Durch die Teilnahme an der Fahrt ist vielen klar geworden, wie wichtig es ist, sich aktiv gegen Rassismus, Homophobie und Antisemitismus einzusetzen. Unter Bezugnahme auf die aktuelle politische Lage, auf Konflikte und humanitäre Krisen in Europa und verschiedenen Teilen der Welt kommen mir die Worte der Zeitzeugin Monika Goldwasser in den Sinn: ‚Niemals werde ich Feindseligkeit zwischen Menschen und Völkern akzeptieren. Güte ist der höchste Wert!‘“.

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