Stolpersteinverlegung und Gedenkveranstaltung zum 9. November

Am Freitag, dem 9.11.2018 haben Studierende und Lehrende des Westfalen-Kollegs im Rahmen der jährlichen Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht zwei weitere Stolpersteine verlegt. Die Stolpersteine wurden für Helga Lilie-Jordan und Hermann Jordan in der Rheinischen Straße 56 – in unmittelbarer Nähe zum Westfalen-Kolleg – verlegt.

Beide Mitglieder der Familie Jordan wanderten 1933 bzw. 1934 nach Palästina aus, um der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu entgehen. Neben der Verlegung der beiden neuen Steine wurden auch die vom Westfalen-Kolleg bereits vor einiger Zeit verlegten Stolpersteine für Auguste und Aaron Jordan, Familie Neugarten und Frieda Stern geputzt und ihrer gedacht.

Im Mittelpunkt der anschließenden Veranstaltung in der kleinen Cafeteria des Westfalen-Kollegs stand einerseits das Gedenken an den 80. Jahrestag der Reichspogromnacht, d.h. der Zerstörung jüdischen Eigentums und der Synagogen auf Betreiben des NS-Regimes. Hierfür stellte die Droste-Hülshoff-Realschule Roll-ups mit zentralen Informationen zur Pogromnacht, zu Antisemitismus, Zwangsarisierung und Exil zur Verfügung.

Andererseits war es den Organisatorinnen ein Anliegen, das – auch für die heutige Zeit relevante – Thema der „unfreiwilligen Auswanderung“ aufzugreifen und dafür zu sensibilisieren. So lasen während der Veranstaltung Studierende der Bildungsgänge Kolleg und Abendgymnasium verschiedene – z.T. auch selbst verfasste – Texte, begleitet von Filmausschnitten, um zu verdeutlichen, in welch auswegloser Lage sich die Betroffenen befunden haben mussten und welche Anforderungen die Auswanderung nach Palästina, aber auch das neue Leben dort an die Exilanten stellten. Die Veranstaltung endete mit der Aufforderung der TeilnehmerInnen zu notieren, was (oder wen) sie denn mitnehmen, aber auch schweren Herzens hier lassen würden, wenn sie selbst unfreiwillig auswandern müssten. Auch wenn dieser Perspektivwechsel für viele Studierende nur simulativ war, so wirkt er nach und schafft insbesondere Verständnis für die Situation einiger ihrer Mitstudierenden, die selbst vor nicht allzu langer Zeit unfreiwillig flüchten mussten.

Damit das geschehene Unrecht – trotz des immer größer werdenden Zeitabstandes – nicht in Vergessenheit gerät, ist es wichtig über die Verbrechen der Nationalsozialisten zu informieren und ein Mitfühlen mit den Opfern zu ermöglichen. Eine der am Ende der Veranstaltung abgegebenen Äußerungen auf der Pinnwand bringt es auf den Punkt: „Ich bin froh, dass sich das Westfalen-Kolleg Dortmund am größten dezentralen Mahnmal der Welt beteiligt“. Dass auf diese Weise gleichzeitig auch eine klare Haltung gegen Rechtsextremismus bezogen werden kann und Rassismus vorgebeugt wird, darin waren sich die TeilnehmerInnen und OrganisatorInnen der Gedenkfeier einig.

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