Soziologie LK zu Besuch an der Ruhr-Universität Bochum

20180702SoziologieExkursionRUB.jpgStudierende des Westfalen-Kollegs nahmen am 02.07.2018 im Rahmen des Soziologie-Unterrichts im 4. Semester an einem Workshop zu den NSU-Morden im Alfried Krupp-Schülerlabor der Bochumer Ruhr-Universität teil.

Die NSU-Morde - Perspektive der Opfer 

Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos - die Namen der Täter des NSU sind weitläufig bekannt, gerade in diesen Tagen, wo sich der NSU-Prozess dem Ende entgegen neigt. Ganz gleich, ob Fernsehen, Radio oder Zeitung, das Trio wird namentlich überall genannt und erreicht gerade deshalb einen Bekanntheitsgrad über Landesgrenzen hinweg. Unabhängig davon, ob der NSU tatsächlich nur aus diesen drei Tätern bestand (auch diese Frage kann trefflich diskutiert werden), wird deutlich, dass die Namen der 10 Todesopfer weitgehend unbekannt sind. Genau diese Perspektive nahm der Workshop ein, welcher emotionalisierend mit „Tatorten“ der 10 Todesopfer des NSU eröffnete. Die Brutalität, das Ausmaß, die detaillierte Beschreibung des Vorgehens der Täter - all das ermöglichte eine Betroffenheit, welche die Studierenden für das Thema gleichermaßen emotionalisierte wie interessierte. In der Folge wurde der Staat, insbesondere die Polizei sowie das Verhalten der sogenannten V-Leute, kritisch beleuchtet, um dann noch einmal eine empathische Ebene mit den Angehörigen der Opfer anzusteuern. Klassische Fragen waren dabei: Wie würdet ihr euch in diesem Land fühlen? Was wären mögliche Reaktionen? Rückzug oder Flucht nach vorne? Die Impressionen wurden auf Karten geschrieben und anschließend diskutiert.

Es zeigte sich erneut, dass dieser Perspektivwechsel den Studierenden deutlich aufzeigte, wie wenig sie sich bisher mit den Opfern und den Konsequenzen der Morde sowie der Prozesse an sich beschäftigt hatten. Genau dies war befruchtend für die abschließende Diskussion, in welcher insbesondere die mangelnde Aufklärung sowie als Folge gesellschaftliche Desintegration thematisiert wurden.

Generell kann festgehalten werden, dass die Studierenden für verschiedene Problemstellungen im „NSU-Verfahren“ sensibilisiert wurden, ebenso konnten sie den Perspektivwechsel annehmen und dessen Erkenntnisse in ihre Beurteilung integrieren. Wünschenswert, auch dies kam vonseiten der Studierenden, wäre es gewesen, wenn der NSU (und dessen öffentliche Beachtung) eingeordnet wird (auch im Vergleich zu anderen Terrororganisationen).

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