Wir gehen raus! Studierende nehmen Projektkurs Kunst beim Wort

Mi20180519GraffitiSchulhof.jpgt einer ganztägigen Kunstaktion starteten am 19.05.2018 zwei Studierende des Westfalen-Kollegs in die Pfingstferien. Andere nutzten den ersten Ferientag um auszuschlafen, Chris und Tom hingegen rückten am frühen Vormittag mit einem sieben-köpfigen Sprayerteam auf dem Schulhof an, um diesem im Rahmen des Projektkurses „Kunst im öffentlichen Raum“ ein neues Gesicht zu geben.

Chris erzählt: „Für mich stand fest, dass das Projektkursmotto draußen umgesetzt werden muss. Im Rahmen des Kurses hatten wir mehrere Streetartinstallationen im Quartier Rheinische Straße besichtigt - deshalb hatte ich die Idee, mit mehreren Kollegen den Schulhof umzugestalten. Das künstlerische Konzept habe ich im Unterricht entwickelt: Sieben Künstlernamen mit übergreifendem Farbkonzept sind an die Wand gekommen und ersetzen den alten Mix verschiedener Motive durch eine klare Linie. Gerade im Streetartbereich, insbesondere beim Graffiti, muss Kunst nicht immer eine tiefere Message haben. Ich zeige mit meinen Motiven auch, dass Kunst nicht hochwertiger oder minderwertiger ist durch einen pseudointellektuellen Anstrich, sondern Kreativität auch in spontanen Aktionen mit dem Medium Spraydose, Farbe, Wand ihren Ausdruck findet.“

Beim Beobachten der Sprayer entsteht der Eindruck, dass die Graffiti für die Künstler identitätsstiftend sind - obwohl jeder nach Chris’ künstlerischen Vorgaben und Farbkonzept arbeitet, hat jeder doch seine ganz eigene Herangehensweise, Geschwindigkeit und Ausprägung der Motive. Besonders beeindruckend wirkt die Umsetzung des Maßstabs: kleine Skizzen, die als riesengroßes Motiv scheinbar mühelos an die Wand kommen. 

Es wird deutlich, dass das künstlerische Moment nicht nur im Produkt liegt, sondern vor allem in der Entstehung und praktischen Umsetzung. 

Tom begleitet die Sprayer mit der Kamera; fotografiert, filmt, setzt den Sprayern eine GoPro-Kamera auf den Kopf, um genau den Entstehungsprozess aus verschiedenen Perspektiven festzuhalten. Wie in der Literatur entstehen dadurch verschiedene Erzählperspektiven: Die Kamera nimmt eine Beobachterrolle ein oder hält die Entstehung der einzelnen Graffiti aus Sicht des Sprayers fest. 

Tom und Chris lernten sich im Projektkurs kennen. Tom interessiert sich für Graffiti und setzt in seinem Teil des Kunstprojekts legale und illegale Ausprägungen von Graffiti filmisch und fotografisch in Szene: „Ich finde es besonders interessant, natürliches Licht beim Filmen und Fotografieren von Graffiti zu nutzen. Dabei sind auf dem Schulhof tolle Effekte entstanden.“ 

Neben den praktischen Aufnahmen beansprucht Toms Arbeit einen hohen Zeitaufwand bei der Materialauswahl, der technischen Zusammenstellung und beim Filmschnitt. Ungefähr 100 Arbeitsstunden hat Tom bereits investiert. Für die abschließende Präsentation im Schulgebäude am 20.06.2018 plant Tom eine aufwändige Installation. Am Präsentationstag laufen beide Projekte zusammen - das bereits fertiggestellte Exponat auf dem Schulhof und die multimediale Darstellung zu Hintergründen und Entstehung. 20180519FotoundFilmprojekt.jpg

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